Zeitgemäßes Lernen ist interaktives Lernen

Wie können Lehrkräfte Schülerinnen und Schüler in der heutigen schnelllebigen Welt auf die Anforderungen der Zukunft vorbereiten? Eine Alternative und klaren Kontrast zum traditionellen lehrerzentrierten Unterricht bietet der interaktive Unterricht: Lernen durch Eigenverantwortung, Projektarbeit und Handlungsorientierung. 

Unser Redakteur Fabian Karg schreibt jeden Monat in den aimBlicken über aktuelle Themen des Jugendmedienschutzes und über Aspekte der digitalen Transformation. Er gibt Anregungen und Denkanstöße und lädt Sie ein, sich mit neuen Themen zu beschäftigen, um für das Heute und das Morgen gerüstet zu sein.

Bestandsaufnahme

In der heutigen schnelllebigen Welt, in der sich Technologie und Innovationen mit kurzfristiger Wirkung unaufhaltsam vorantreiben, steht die Bildung vor neuen Herausforderungen. Lehrende sind gefordert, Lernenden nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern sie auch auf die Anforderungen der Zukunft vorzubereiten. Ein Schlüsselkonzept dabei ist das interaktive Lernen. Doch was genau verbirgt sich dahinter und wie können Lehrende es in ihrer täglichen Arbeit umsetzen?

Interaktives Lernen bedeutet, die Lernenden unmittelbar in den Lernprozess einzubeziehen und ihnen die Möglichkeit zu geben, selbstständig zu denken, zu erforschen und zu gestalten. Im Gegensatz zum herkömmlichen Frontalunterricht, bei dem Lehrende hauptsächlich Informationen vermitteln, fördert das interaktive Lernen das aktive Mitwirken der Lernenden.

Kompetenzen für die Zukunft

Interaktives Lernen steht im klaren Kontrast zum traditionellen lehrerzentrierten Unterricht, bei dem der Fokus oft auf Noten und Prüfungen liegt. Beim zeitgemäßen Lernen geht es nicht darum, Lektionen lediglich zu absolvieren, sondern vielmehr darum, Lernende auf die dynamische, sich ständig verändernde Welt vorzubereiten. Es legt Wert auf die Entwicklung von Fähigkeiten wie kritischem Denken, Zusammenarbeit, Problemlösung und Kreativität. Im zeitgemäßen Unterricht wird Lernen zu einem kontinuierlichen Prozess, der auf die individuellen Bedürfnisse und Interessen der Lernenden eingeht und ihnen die Werkzeuge an die Hand gibt, mit denen sie sich selbstständig Wissen aneignen. Es geht darum, die Lernenden auf eine Welt vorzubereiten, in der sie nicht nur Wissen reproduzieren, sondern dieses auch anwenden und ständig erweitern. In dieser neuen Ausrichtung des Lernens steht die Entfaltung des individuellen Potenzials im Vordergrund, nicht das Notensammeln.

Problemlösefähigkeit ist zweifellos eine grundlegende Kompetenz, die im zeitgemäßen Lernen einen zentralen Stellenwert einnimmt. In einer sich ständig wandelnden Welt ist die Fähigkeit, komplexe Probleme zu erkennen, zu analysieren und kreative Lösungen zu finden, von entscheidender Bedeutung. Der Fokus liegt nicht nur darauf, Faktenwissen zu vermitteln, sondern auch auf der Entwicklung von kritischem Denken und der Befähigung der Lernenden, sich den Herausforderungen und Veränderungen aktiv zu stellen. Zeitgemäßes Lernen ermutigt die Schülerinnen und Schüler, nicht nur Fragen zu stellen, sondern auch Wege zu finden, diese Fragen zu beantworten. Diese Fähigkeiten sind in der modernen Welt von unschätzbarem Wert und bilden das Fundament für lebenslanges Lernen und beruflichen Erfolg.

Lernen heute interaktiv gestalten

In der sich ständig wandelnden Bildungslandschaft ist es entscheidend, das Lernen an die Bedürfnisse und Herausforderungen der Zukunft anzupassen. Hierbei spielen interaktive Lehrmethoden eine zentrale Rolle, um Lernenden die dafür notwendigen Fähigkeiten zu vermitteln und entsprechende Kompetenzen zu fördern. Die folgenden drei Ansätze zeigen, wie interaktives Lernen niederschwellig bereits jetzt gestaltet werden kann: 

  1. Eigenverantwortung fördern: Lernen durch Zusammenarbeit und soziale Verantwortung
    In zeitgemäßem Unterricht steht die Förderung von Eigenverantwortung im Mittelpunkt. Lernende werden ermutigt, aktiv an ihrer Bildung teilzunehmen und Verantwortung für ihren Lernfortschritt zu übernehmen. Ein Ansatz, der dieses Prinzip umsetzt, ist das Besprechen von Hausaufgaben mit der Gruppe. Lernende haben die Möglichkeit, sich gegenseitig zu unterstützen, Fragen zu klären und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.
     
  2. Lernende als Mitgestalterinnen und Mitgestalter: Aktive Teilhabe am Lernprozess 
    Ein weiterer Schlüsselaspekt des interaktiven Unterrichts ist die Einbeziehung der Lernenden in die Gestaltung ihres eigenen Lernprozesses. Das bedeutet, dass Lernende selbst Themen auswählen, Kriterien für die Bewertung festlegen und gemeinsam Single Point Rubrics nutzen können. Diese Herangehensweise fördert die Selbstreflexion und die Fähigkeit zur Selbststeuerung. Lernende sind nicht nur passive Empfänger von Wissen, sondern aktive Mitgestalter ihres Bildungswegs im Austausch mit Mitschülerinnen und Mitschülern sowie Lehrkräften.
     
  3. Praxisbezug und Problemlösung: Handeln statt konsumieren
    In einer Welt, die von ständigem Wandel und Komplexität geprägt ist, sind Handlungsorientierung und Problemlösungsfähigkeit von entscheidender Bedeutung. Zeitgemäßer Unterricht legt großen Wert darauf, dass Lernende nicht nur Wissen konsumieren, sondern dieses Wissen aktiv nutzen, um Lösungen für reale Probleme zu finden. Dies kann bei der Umsetzung von Projekten, die die praktische Anwendung des Gelernten erfordern, erreicht werden. Lernende werden ermutigt, kreativ zu denken, Innovationen zu fördern und neue Wege zu beschreiten.

Insgesamt zeigt sich, dass interaktiver Unterricht, welcher Eigenverantwortung, Projektarbeit und Handlungsorientierung fördert, Lernenden die Fähigkeiten vermittelt, die sie brauchen, um in einer sich schnell verändernden Welt erfolgreich zu sein. Es geht darum, Lernen nicht als passiven Akt des Informationskonsums zu betrachten, sondern als aktiven Prozess, bei dem Lernende Gestalter ihres eigenen Wissens und ihres Bildungswegs sind. Dieser Ansatz bereitet sie nicht nur auf die Zukunft vor, sondern ist ein erster Schritt auf dem Weg zu lernen, die Welt aktiv zu gestalten und positive Veränderungen herbeizuführen.

Über den Unterricht hinaus

Das interaktive Lernen geht weit über den traditionellen Rahmen des Klassenzimmers hinaus und unterstützt die Lernenden darin, sich kontinuierlich Wissen anzueignen und sich aktiv in den eigenen Bildungsweg einzubringen. Über Online-Lernplattformen wie Moodle haben Lehrende die Möglichkeit, Lernmaterialien und Aufgaben zur Verfügung zu stellen; Lernende können darüber auf diese Ressourcen zugreifen, ihre Arbeiten einreichen und an Online-Diskussionen teilnehmen.

Lehrende nutzen Webinare und virtuelle Klassenräume, um direkt mit Lernenden zu kommunizieren, Lerninhalte zu vertiefen, offene Fragen zu klären und Diskussionen fortzuführen, selbst wenn die Beteiligten sich an unterschiedlichen Orten befinden. Darüber hinaus bieten E-Learning-Kurse und Massive Open Online Courses (MOOCs) den Lernenden die Möglichkeit, in ihrem eigenen Tempo neues Wissen und neue Fähigkeiten zu erwerben; der interaktive Charakter dieser Kurse wird durch Videos, Quiz und Diskussionsforen unterstützt.

Projektbasiertes Lernen ermöglicht den Lernenden, in Teams oder individuell auch außerhalb des Klassenzimmers an Projekten und Aufgaben zu arbeiten, was die Zusammenarbeit und die Selbstverantwortung fördert. Bildungs-Apps und Spiele, die auf Smartphones und Tablets zugänglich sind, bieten spielerische und oft interaktive Wege, um das Wissen der Lernenden weiter zu vertiefen.

Darüber hinaus tragen Praktika und außerschulische Aktivitäten dazu bei, dass Lernende praktische Erfahrungen sammeln und ihr Wissen in echten Kontexten anwenden. Außerdem können Lernende auf Bibliotheken und Online-Materialien zugreifen, um ihr Wissen selbstständig zu vertiefen, unterstützt durch Empfehlungen der Lehrenden hinsichtlich der Bücher, Artikel und Onlinekurse.

Durch die Einbindung interaktiver Elemente in den Lernprozess können die Lernenden, über den herkömmlichen Lernkontext hinaus aktiv bleiben und ihr Wissen festigen.  Dies stärkt nicht nur das lebenslange Lernen, sondern auch die Eigenverantwortung und die Fähigkeit, in einer immer stärker vernetzten Welt zu bestehen.

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Interaktives Lernen für:

Grundschule

Sekundarstufe I

Sekundarstufe II

Game-based Learning