Schulpreis der Dieter Schwarz Stiftung – mit digitalen Medien für Chancengleichheit

Die Dannewerkschule Schleswig belegte im vergangenen Jahr den dritten Platz bei der Verleihung des Schulpreises der Dieter Schwarz Stiftung für das beste Konzept zum Einsatz digitaler Medien im Unterricht. Schulleiterin Andrea Schönberg und der stellvertretende Schulleiter Finn Hübner reflektieren im Interview über den Preis und was er in der Schulgemeinde bewegt hat.

Unser Redakteur Michael Klitzsch sprach mit ihnen über die Auswirkung des Gewinns und die Bewerbung um den Preis.

Redaktion: Frau Schönberg, Herr Hübner, Sie haben im März 2022 den dritten Platz beim Schulpreis der Dieter Schwarz Stiftung für das beste Konzept zum Einsatz digitaler Medien im Unterricht gewonnen. Wie haben Sie den Moment damals erlebt?

Andrea Schönberg: Trotz des langen Wegs nach Heilbronn waren wir mit vielen Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften vor Ort bei der Preisverleihung. Auch hier in Schleswig haben viele in der Mensa am Livestream der Veranstaltung mitgefiebert. Beide Gruppen haben während der Veranstaltung ganz aufgeregt hin- und hergechattet, es gab einen sehr engen Austausch. Als dann verkündet wurde, dass wir gewonnen haben, sind wir natürlich aufgesprungen und haben gejubelt.

Finn Hübner: Ich war in der Mensa dabei. Je weiter die Preisverleihung voranschritt, desto ruhiger und gespannter wurden die Schülerinnen und Schüler. Man hat schon gespürt, dass es etwas Besonderes ist. Man macht ja nicht jeden Tag bei einem bundesweiten Wettbewerb mit und hat dann noch als nominierte Schule die Chance, ausgezeichnet zu werden. Nach der Verkündung waren wir alle sehr froh und stolz, dass wir aus dem kleinen Schleswig bundesweit mit unserem Medienkonzept mitspielen können.

Redaktion: Wie haben Sie diesen Erfolg in Ihrer Schule kommuniziert?

Schönberg: Wir haben den Preis vorne gut sichtbar ins Sekretariat gestellt, wo alle ständig vorbeikommen, und haben das Ganze auch über unsere digitalen Kanäle mit der Schulcommunity geteilt. Auch die Presse war in der Mensa am Tag der Preisverleihung dabei und es gab einen großen Bericht am nächsten Tag in der Zeitung. Das Ganze war in unserer Schulgemeinde schon ein großes Thema, alle haben sich mitgefreut.

„Unser Medienkonzept basiert darauf, dass wir eine Schule sind, bei der eine gewisse Bildungsferne bei der Elternschaft vorliegt. Deshalb haben wir uns auf die Fahnen geschrieben, für Chancengleichheit zu sorgen, sodass jede und jeder den gleichen Zugang zu digitalen Medien hat. “

Finn Hübner, stellvertretender Schulleiter der Dannewerkschule in Schleswig

Redaktion: Was haben Sie mit den 20.000 Euro Preisgeld gemacht? 

Hübner: Vorab hofft man natürlich auf ein Preisgeld und macht sich ein bisschen Gedanken, was man damit machen würde. Unser Medienkonzept basiert darauf, dass wir eine Schule sind, bei der eine gewisse Bildungsferne bei der Elternschaft vorliegt. Deshalb haben wir uns auf die Fahnen geschrieben, für Chancengleichheit zu sorgen, sodass jede und jeder den gleichen Zugang zu digitalen Medien hat. Daher war es für uns nur schlüssig, dass wir den Großteil des Geldes in digitale Endgeräte stecken. Wir nutzen ein Lern-Management-System und wollten für alle Schülerinnen und Schüler zu jeder Zeit eine Verfügbarkeit der Lerninhalte sicherstellen. Die Halbwertszeit ist bei diesen Geräten ja nicht wahnsinnig hoch, daher muss man hier immer mal wieder investieren.

Schönberg: Die hohen Preisgelder waren ehrlich gesagt einer der wesentlichen Gründe, warum wir uns beworben haben. Wenn man gewinnt, bieten sich einem schon tolle Möglichkeiten, wesentliche Anschaffungen für die Schule zu machen. 

Redaktion: Wie sind Sie auf den Schulpreis der Dieter Schwarz Stiftung aufmerksam geworden?

Schönberg: Die Information über die Ausschreibung ist über das Schulministerium des Landes Schleswig-Holstein an die Schulen kommuniziert worden. Ich habe mich dann ein wenig mit dem Schulpreis beschäftigt, mir Artikel dazu durchgelesen, Videos aus den letzten Jahren angeguckt und mir auch den Bewerbungsbogen angesehen. Ich fand es ganz spannend, durch diesen Fragebogen noch einmal ins Nachdenken zu kommen über das eigene Konzept. Wir haben dabei auch noch Bereiche entdeckt, in denen wir uns verbessern konnten. Wir waren zum Beispiel sehr gut aufgestellt dafür, dass Schülerinnen und Schüler in der Schule digital arbeiten können. Um sie auch zu Hause zu erreichen und ihnen die Möglichkeit zu bieten, von dort richtig ins Arbeiten zu kommen, erforderte es nochmals eine Nachschärfung unseres Konzepts. Daran haben wir im Zuge der Bewerbung gearbeitet. Hierbei war es sehr wichtig, dass sich die Schülerinnen und Schüler beteiligten und wir mit ihnen darüber gesprochen haben, was zu tun ist, damit das Lernen von zu Hause gut funktioniert. Im Bewerbungsvideo haben die Schülerinnen und Schüler selbst dann mit viel Herzblut genau dieses Element spielerisch vorgestellt.

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Redaktion: Was sind die wesentlichen Merkmale Ihres Medienkonzepts, für das Sie den Preis gewonnen haben?

Schönberg: Ein wesentlicher Baustein bei uns ist, dass wir Medienkompetenz immer in alle Fächer und die zugehörigen Inhalte direkt eingebunden haben. Wir haben viel Geld investiert, um Geräte anzuschaffen und eine ganze Lehrerstelle dem Thema Digitalisierung zu widmen, sodass Lehrkräfte sich fortbilden und auch intern als Fortbildende und Ansprechpartner tätig werden können. Sie gehen dann als unterstützende Lehrkraft mit in den Unterricht hinein, um digitales Arbeiten mit einer großen Methodenvielfalt zu gewährleisten. Diese ressourcenintensive Entwicklung des Konzepts über zwei, drei Jahre, das zeichnet uns aus. Dabei war uns über unsere digitale Lernplattform auch sehr wichtig, Materialien zu dokumentieren und so die Möglichkeiten für den Unterricht zu erweitern. Das heißt, wir haben einen digitalen Ort, wo sämtliche Unterrichtsinhalte mit Methoden, Beispielen, Verlinkungen und hilfreichen Apps in Lerneinheiten zusammengepackt sind, sodass jede Lehrkraft darauf zugreifen kann und nicht in der Unterrichtsplanung bei null anfangen muss. Stattdessen geht sie auf die Plattform, sieht, was zu tun ist im jeweiligen Quartal, und bereichert die Materialien weiter durch eigene Ideen. So haben alle Schülerinnen und Schüler am Ende ihrer Zeit bei uns ein gewisses Programm durchlaufen. Das ist nicht lehrkräfteabhängig, sondern unser gemeinsam gedachtes Curriculum. Dieses Konzept gab es schon vorher, wir haben es jetzt aber über die letzten Jahre mit der Medienkompetenz verbunden und die Inhalte digitalisiert. 

Hübner: Unser Erfolgsgeheimnis ist, glaube ich, dass wir alle mitgenommen haben und auch der sehr hohen Dynamik des Themas gerecht geworden sind. Das heißt, wir haben die Digitalisierung von Jahrgang fünf an hochwachsen lassen und immer wieder Zeit und Raum geschaffen, um unser Konzept weiterzuentwickeln. Wir haben etwa unser digitales Team aus vier Lehrkräften mehrfach umorganisiert, um uns den neuen Gegebenheiten wie der Pandemie anzupassen. Dabei lag der Fokus immer darauf: Wie kommt ein Mehrwert in den Unterricht und was braucht das Kollegium dafür? Wir haben dabei sehr viel Wert darauf gelegt, die Digitalisierung fach- und personenunabhängig zu gestalten, sodass alle die gleichen Möglichkeiten haben und es für alle Schülerinnen und Schüler die gleichen Chancen gibt. 

Redaktion: Wie sind Sie an die Bewerbung für den Schulpreis herangegangen?

Schönberg: Mir war es in der Bewerbung sehr wichtig darzustellen, dass wir das Thema Digitalisierung als Team alle gemeinsam angegangen sind, ausdrücklich auch mit den Schülerinnen und Schülern. In der Entwicklung des digitalen Konzepts hat etwa auch die Universität Flensburg bei uns Schülerbefragungen gemacht, um die Bedarfe der Schülerinnen  und Schüler festzustellen. Was ist ihnen wichtig beim digitalen Arbeiten? Womit wollen sie arbeiten? Was hilft ihnen dabei? Dieser partizipative Aspekt, dass man Themen von allen Seiten beleuchtet, ist bei uns in allen Bereichen sehr wichtig, deshalb haben wir versucht, ihn auch inhaltlich und in der Darstellung der Bewerbung zu kommunizieren.

Redaktion: Inwiefern hat sich die Bewerbung um den Schulpreis der Dieter Schwarz Stiftung für Ihre Schule gelohnt?

Schönberg: Also, wenn man gewinnt, ist es immer toll! (lacht) Es stärkt natürlich eine Schulgemeinschaft insgesamt, wenn man positives Feedback von außen bekommt. Es ist in Ordnung, wenn man sich selbst lobt, aber es ist natürlich etwas anderes, wenn man von außen die Rückmeldung bekommt: „Ihr seid da auf einem guten Weg, ihr habt euch durchgesetzt gegen eine sehr gute Konkurrenz.” Außerdem kommt man über den Schulpreis auch ins Nachdenken darüber, was die anderen so machen. Das erleben wir immer als Bereicherung.

Redaktion: Frau Schönberg, Herr Hübner, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.