
TUM-Studierende klären Jugendliche über finanzielle Risiken auf
Warum Studierende aus München in der aim Heilbronn Finanzwissen mit sechs Schulklassen teilen: TUM-Professor spricht über soziales Projekt
Wer viele Vorteile genießt, muss auch etwas zurückgeben. Davon ist Rudi Zagst überzeugt. Der Professor für Finanzmathematik an der TU München hat vor zwei Jahren im Elitestudiengang „Finance & Information Management“ ein Projekt initiiert, bei dem Studierende ehrenamtlich Finanzwissen an Schulen vermitteln. Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler über finanzielle Risiken bei der Geldanlage aufzuklären.
Anfang Dezember besuchen sechs Studierende die aim Heilbronn, um dort erstmals Workshops für Oberstufenklassen aus der Region anzubieten. Im Gespräch verrät Rudi Zagst, wie es zu dieser neuen Kooperation zwischen TU München und Dieter Schwarz Stiftung kam.
Herr Professor Zagst, warum schicken Sie Studierende in Schulklassen, um Finanzwissen zu vermitteln?
Wir wollen sozial verantwortungsbewusste Führungskräfte im Bereich Finanzen und Informationsmanagement ausbilden. Unsere Studierenden haben in einem der besten Studiengänge der Wirtschaftswissenschaften viele Vorteile. Da ist es wichtig, auch wieder etwas zurückzugeben. Ich möchte, dass die Studierenden auf dem Boden bleiben. Wer ein Unternehmen menschlich und verantwortungsvoll führen will, sollte morgens auch dem Pförtner Hallo sagen.
Wir holen daher junge Leute an die TUM, die nicht nur sehr gut sind, sondern auch soziale Verantwortung übernehmen. In unserem Studiengang engagieren sie sich in Charity Runs für benachteiligte Kinder, beschäftigen sich in Pflegeheimen mit Senioren – und mein Team geht an Schulen, um Finanzwissen zu vermitteln.
Wie ist die Idee entstanden?
Die Idee, Finanzwissen anschaulich am Beispiel einer Fußballmannschaft zu vermitteln, stammt aus meinem Buch „Fit für die Geldanlage“. Jeder weiß, das Runde muss ins Eckige – mit Fußball kann jeder etwas anfangen. Zuerst wollte ich Fußballstars über Finanzen aufklären. Es gibt ja viele, die nach ihrer Karriere pleite sind. Bis auf drei Besuche bei den Nachwuchsspielern von Mönchengladbach bin ich an die Spieler aber nicht herangekommen. Die Vereine wollen offenbar keinen Ärger mit den Beratern.
Schulen scheinen der Aufklärung über Geldanlagen offener gegenüber zu sein.
Ja, die Rückmeldungen aus den Schulen sind sehr positiv. Den Anstoß, Schulen anzufragen, gab mir ein Fernsehbericht über die fehlende Finanzbildung an unseren Schulen. Wir lassen Kinder auf eine Welt los, auf die sie nicht vorbereitet sind. Als Erwachsene geraten sie dann nicht selten in finanzielle Schwierigkeiten und ganze Familien werden ruiniert. Solche Dramen will ich verhindern.
Laut der Studie "Jugend in Deutschland 2025" hat ein Fünftel der 14- bis 29-Jährigen in Deutschland Schulden – ein Rekordwert. Bräuchte es da nicht eher Finanzbildung als verpflichtendes Schulfach statt als punktuelle Workshops von Studierenden?
Finanzbildung sollte im Lehrplan verankert sein. Aber die Frage ist ja, was wird dann gestrichen, und können die Lehrer dies leisten? Hier wollen wir helfen. Meine Studierenden haben in zwei Jahren knapp 30 Schulen besucht und mit ihren Workshops etwa 1000 junge Menschen in Bayern und Baden-Württemberg erreicht. Ich glaube schon, dass diese Schülerinnen und Schüler danach Risiken selbst einschätzen können. Sie wissen, dass Aktien kein Spiel sind, sondern Wetten auf die Zukunft, und was die Unterschiede zum Sparbuch sind. Wir klären darüber auf, dass man Finanzanlagen planen muss.
Wie kam diese Kooperation zustande?
Nach mehreren Besuchen in Heilbronn bin ich beeindruckt davon, was die Schwarz Stiftung alles macht. Die Kooperation kam durch den Geschäftsführer Gunther Friedl zustande. Es freut mich sehr, dass die Stiftung unsere Workshops Anfang Dezember bei der aim Heilbronn ermöglicht.
Gestatten Sie eine persönliche Frage: Woher kommt Ihre Motivation?
Ich habe auf meinem beruflichen Weg selbst viel Glück gehabt und immer wieder Menschen getroffen, die mir Türen geöffnet haben. Wer Glück empfängt, sollte aber auch bereit sein, von diesem Glück etwas weiterzugeben. Das versuche ich meinen Studierenden durch mein Engagement vorzuleben und ich freue mich sehr, dass sie diesem Beispiel folgen.
Ihr ehrenamtlicher Einsatz in unserem Projekt, ihre herausragende Arbeit an den Schulen und in der Zusammenarbeit mit der aim halte ich insbesondere in unserer individualistischen Gesellschaft für ein starkes Signal. Gemeinsam wollen und können wir es schaffen, möglichst viele Kinder auf ihre Zukunft vorzubereiten und sie hoffentlich vor finanziellen Problemen bewahren.

