
Sparbuch im Tor, Aktien im Sturm – So erklären Studierende Geldanlage
Finanzwissen trifft Fussball: 130 Jugendliche trainieren verantwortungsvollen Umgang mit Geld
„Jetzt kaufen, später zahlen“ – Versprechen wie dieses verführen junge Menschen dazu, ihr Konto zu überziehen. Ein Fünftel der 14- bis 29-Jährigen hat finanzielle Schulden. Das ist das Ergebnis der Studie “Jugend in Deutschland 2025”. Vor dieser Gefahr wollen Studierende der TU München Jugendliche rechtzeitig warnen. Sie klären 130 Schülerinnen und Schüler in der aim Heilbronn über finanzielle Vorsorge auf.
Student Jan Heimsath sagt: „Wir merken in den Workshops, dass die Schüler Interesse haben, weil das Thema Finanzen in den Schulen oft zu kurz kommt.“ Deshalb geht es in den Workshops zunächst um Grundlagen: Was sind Einnahmen und Ausgaben? Was ist Sparen? Und wie funktioniert Geldanlage?
Was Finanzen mit Fußball zu tun haben
Das Thema Geldanlage am Kapitalmarkt veranschaulichen die TUM-Studierenden anhand einer Fußballmannschaft: Torwart ist das Sparbuch, das gibt Sicherheit. In der Abwehr sorgen Immobilien für eine gewisse Stabilität. Im Mittelfeld spielen die Anleihen, die sowohl Rendite erwirtschaften als auch negativen Zeiten am Kapitalmarkt standhalten sollen.
Und die Stürmer, die die Tore schießen? Aktien. Sie bieten lukrative Renditen, sind aber riskanter als andere Anlageklassen. Als Beispiel nutzt Student Timo Herterich einen Lebensmittel-Lieferdienst: Während der Lockdowns steigen Kundenzahlen und Umsatz, danach flacht das Wachstum wieder ab. Die Frage an die Zehntklässler des Bildungszentrums Bretzfeld: Kaufen oder nicht?
Mehrere Schüler geben ihre Einschätzung ab. „Ihr habt das genau richtig analysiert“, sagt Student Timo Herterich. „Die Abozahlen gehen nach den Lockdowns wieder runter, die Situation ändert sich wieder. Dadurch hat das Unternehmen wieder eine ganz andere Ausgangslage.“
Lehrerin Sabrina Waldbüßer merkt an, wie schwierig es ist, den richtigen Zeitpunkt für den Aktienkauf abzupassen. Sollte man bei einem fallenden Kurs noch abwarten? Timo Herterich antwortet: „Es ist schwierig zu sagen, wann der Aktienkurs nicht mehr weiter runter geht.“ Letztlich sei die Entscheidung eine Wette, ob ein Unternehmen die Erwartungen erfüllt oder nicht. Jan Heimsath ergänzt: „In der Praxis scheitern selbst professionelle Anleger daran. Das lässt sich einfach nicht prognostizieren.“
Sicher sind die Jugendlichen dafür bei der Frage, zu welchem Unternehmen die Aktie gehört: „Hello Fresh!“
Professor Rudi Zagst startet soziales Projekt an der TU München
Die Idee zu diesem Projekt stammt von Rudi Zagst. Der Professor für Finanzmathematik leitet den Elitestudiengang „Finance & Information Management“ an der TU München. Er sagt: „Das hier ist ein Vorsorgeprogramm. Wir klären über Risiken auf, machen aber keine Finanzberatung.“ Seit Beginn des Projekts „Because We Care“ hat Rudi Zagst mit seinen Studierenden ehrenamtlich rund 1000 Schülerinnen und Schüler in Bayern und Baden-Württemberg weitergebildet.
Durch die Kooperation der TU München mit der aim Heilbronn kann die studentische Gruppe ihre Workshops erstmals auf dem Bildungscampus anbieten und sechs Oberstufen-Klassen verschiedener Schulen an einem Ort unterrichten.







