Sprachförderung zwischen Kita und Grundschule

Übergänge im Fokus

Sprachliche Bildung ist Beziehungssache, besonders im Übergang zwischen Kindergarten und Grundschule. Zwischen 2019 und 2024 förderte unser Programm „Kinder sprachlich begleiten” in Kooperation mit dem Mannheimer Zentrum für Empirische Mehrsprachigkeitsforschung Kinder mit besonderem sprachlichem Unterstützungsbedarf. Ab diesem Schuljahr knüpft das Nachfolgeprojekt „Sprachförderung am Übergang Kita – Grundschule“ daran an. Ein Praxisblick in den weiter teilnehmenden Verbund der Kita Marienfried mit der Elly-Heuss-Knapp-Gemeinschaftsschule zeigt, worauf es ankommt. 

Verstehen heißt dazugehören

„Kinder, die mit gravierenden Defiziten eingeschult werden, leiden darunter, nicht alles zu verstehen“, so Dorothea Piontek, Schulleiterin der Elly-Heuss-Knapp-Gemeinschaftsschule. „Durch Beziehungsarbeit wurde im Programm Kinder sprachlich begleiten nicht nur die Sprachkompetenz gefördert, sondern auch das Zugehörigkeitsgefühl und das Selbstwertgefühl der Kinder gestützt.“ Auch Lora Trick, Leiterin der Kita Marienfried, betont den Wert kontinuierlicher Begleitung: „Eine besonders gelungene Erfahrung haben wir mit dem Modell gemacht, bei dem die Sprachförderkraft zunächst im Kindergarten arbeitet und später dasselbe Kind in der Schule weiterbegleitet. Diese personelle Kontinuität hat den Kindern deutlich Sicherheit gegeben und den Übergang sehr positiv geprägt.“ 

Zwei Systeme, ein Kind

Doch gerade dieser Übergang bringt Herausforderungen mit sich. Die pädagogischen Systeme ticken unterschiedlich: „Der Orientierungsplan für Kitas verfolgt ein ganzheitliches, kindzentriertes Bildungskonzept. Die Schule hingegen ist anders strukturiert – mit anderen Anforderungen, Zielsetzungen und einem anderen Bild vom Kind“, erklärt Trick. Diese Unterschiede verlangen von den pädagogischen Fachkräften eine doppelte Perspektive, oft bei begrenzten Ressourcen. Für Trick wäre es hilfreich, wenn Erzieherinnen mehr Einblick in schulische Anforderungen bekämen: „Viele erfahren nur über ihre eigenen Kinder, was genau in der Schule erwartet wird.“ 

Fundiert, verlässlich, gemeinsam

Für eine gelingende Sprachförderung braucht es aus Sicht von Piontek vor allem drei Dinge: fundierte Diagnostik, verlässliche Strukturen und eine enge Zusammenarbeit mit dem Elternhaus. „Herausfordernd sind personelle Wechsel, zeitliche Verfügbarkeiten und die Einbindung in schulische Strukturen.“ Sie wünscht sich Kontinuität im Programm: „Beziehungen und Vertrauen sind ein Fundament der gemeinsamen Arbeit.“ Auch Trick sieht strukturellen Verbesserungsbedarf: „In vielen Einrichtungen steht nur eine Sprachförderkraft zur Verfügung, unabhängig vom tatsächlichen Bedarf.“ Zugleich zeigt sie sich dankbar für die professionelle Unterstützung durch die aim: „Unsere derzeitige Sprachförderkraft ist eine große Bereicherung für die Kinder und unser Team. Ihre sensible, zugewandte Art und ihr professionelles Vorgehen haben dazu geführt, dass Kinder mit Unterstützungsbedarf sich gut öffnen und sprachlich sichtbar vorankommen.“ 

Mutig mit allen Beteiligten

Dorothea Piontek, Schulleiterin

Was bedeutet Mutig miteinander im Kita- und Schulalltag? Dorothea Piontek beschreibt ihre Schule als lebendige Gemeinschaft: „Wir haben 740 Kinder und knapp 40 Nationalitäten. Projekte wie Musicals, Schulfeste oder Schullandheime sind gelebtes Miteinander.“ Momentan zeigt sich das in der Vorbereitung des 50-jährigen Schuljubiläums: „Kinder, Eltern und Lehrkräfte entwickeln gemeinsam Ideen, unterstützen sich gegenseitig – das sind Mut und Miteinander in Reinform.“ Für Lora Trick ist es ebenfalls der gemeinsame Weg, auch wenn er herausfordert: „Eltern trauen sich, Sprachförderung anzunehmen. Kita, Schule und Ämter arbeiten zusammen trotz organisatorischer Hürden und Veränderungen im Tagesablauf. Doch der Gewinn für die Kinder ist deutlich spürbar.“ 

Früh fördern, gemeinsam gestalten

Die Erfahrungen aus Kinder sprachlich begleiten zeigen, wie stark Kinder profitieren, wenn Sprachförderung Beziehungsarbeit wird. Mit dem neuen Programm Sprachförderung am Übergang beleuchtet die aim einen sensiblen Bildungsabschnitt: Sprachbildung soll verbindend wirken – zwischen Kita und Grundschule, Fachkräften  und Familien. Oder, wie Piontek es formuliert: „Sprachkompetenz ist die Basis für schulischen Erfolg. Je früher sie gefördert wird, desto besser.“