Schulpreis der Dieter Schwarz Stiftung – Wie kann eure Schule gewinnen?

Die Schulleitung der Gewinnerschule 2022 im Interview

Die Schiller-Schule aus Bochum sicherte sich im vergangenen Jahr den ersten Platz bei der Verleihung des Schulpreises der Dieter Schwarz Stiftung für das beste Konzept zum Einsatz digitaler Medien im Unterricht. Wir sprachen mit der Schulleitung Eike Völker (links) und Schulkoordinator Matthias Wysocki (rechts) über den Sieg, die Bewerbung für den Preis und den Schlüssel für eine erfolgreiche Digitalisierung.

Unser Redakteur Michael Klitzsch sprach mit den beiden. Er schaut sich für Sie regelmäßig in der Bildungslandschaft um und gibt Einblicke in die Arbeit der aim.

Redaktion: Herr Völker, Herr Wysocki, Sie haben im März 2022 den ersten Platz beim Schulpreis für das beste Konzept zum Einsatz digitaler Medien im Unterricht gewonnen. Wie haben Sie den Moment damals erlebt?

Eike Völker: Es hat mich sehr glücklich gemacht, als Schule genau für diesen Bereich ausgezeichnet zu werden, weil das einer Belohnung für jahrelange Arbeit gleichkommt. Das ganze Team, die ganze Schulgemeinde hat viel geleistet. Dass das honoriert wurde, auch mit nicht wenig Geld – darüber freue ich mich bis heute immer noch jedes Mal, wenn ich an dem Pokal vorbeigehe. Das Thema Digitales ist an Schulen wirklich schwer umzusetzen und so wie wir es machen, ist es an Schulen immer noch beispiellos. 

Matthias Wysocki: Es war eine tolle Belohnung für den Mut, den wir bewiesen haben. Als Herr Völker und ich angefangen haben, das Konzept anzustoßen, war die Frage, mit der wir am meisten konfrontiert wurden: Warum macht ihr das eigentlich? Brauchen wir das wirklich? 2015 haben wenige gesehen, dass diese Entwicklung nötig ist. Umso schöner ist es, sieben Jahre später dafür ausgezeichnet zu werden.

„Ich freue mich bis heute immer noch jedes Mal, wenn ich an dem Pokal vorbeigehe.“

Eike Völker, Schulleitung Schiller-Schule Bochum

Redaktion: Wie hat die Schulgemeinde auf den Gewinn des Schulpreises der Dieter Schwarz Stiftung reagiert?

Wysocki: Der Preis wurde von der ganzen Schulgemeinde sehr positiv wahrgenommen. Auf Seite der Schülerinnen und Schüler gab es eine gewisse Verwunderung, die haben ja wenig oder keine Vergleichsmöglichkeiten, die kennen vor allem ihre eigene Schule. Das Echo war dann: Ach, ist das woanders gar nicht so? Das ist nicht normal? Für uns ist das natürlich witzig, das zu beobachten. Die Eltern wissen hingegen durchaus, dass so ein umfangreiches, gut funktionierendes Medienkonzept nicht normal ist. Sie haben uns auch im Bewerbungsprozess für den Schulpreis unterstützt und mitgefiebert. Wir haben sogar ein Live-Viewing bei uns in der Schulmensa organisiert, wo einige saßen und gespannt die Preisverleihung verfolgt haben.

„Auf Seite der Schülerinnen und Schüler gab es Verwunderung. Das Echo war: Ach, das ist woanders gar nicht so?“

Matthias Wysocki, Koordinator für Schul- und Unterrichtsentwicklung an der Schiller-Schule Bochum

Redaktion: Was haben Sie mit dem Preisgeld von 30.000 Euro gemacht?

Völker: Wir haben das Preisgeld auf den ersten Blick für eher undigitale Dinge verwendet, nämlich für Schallschutzsofas, Sitzecken und Sitzbänke. Das hat aber durchaus mit unserem Medienkonzept zu tun. Unsere Lernkultur hat sich durch die Digitalisierung sehr stark verändert: Wir arbeiten im Unterricht viel projektorientierter, die Schülerinnen und Schüler arbeiten oft in Kleingruppen und kommen dann wieder zusammen und diskutieren ihre Ergebnisse. Wir haben nun mit diesen Sofas Räume geschaffen, in denen kleine Teams geschützt arbeiten können. Das ist ein wichtiger Teil von dem, wie wir Digitalität verstehen: Digitalität spielt sich für uns im analogen Raum ab.

Wysocki: Es ist dabei auch wichtig zu verstehen, dass wir ja als Schule nicht einfach neue Räume schaffen können. Wir haben den Glücksfall, dass wir als historisches Gebäude sehr breite Flure haben, die nicht auf Fluchtwege beschränkt bleiben müssen, so dass wir sie auch zum Arbeiten nutzen dürfen. Daher konnten wir dort diese Sofalandschaften einrichten, in denen die Kinder nun wirklich gern lernen.

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Redaktion: Haben Sie sich auf den Schulpreis vorbereitet? Wie lief die Phase der Bewerbung ab?

Völker: Man muss schon sagen, dass das Thema Digitalität natürlich perfekt zu uns passte und wir da auf unser schon entwickeltes Konzept zurückgreifen konnten. Dennoch hat der Bewerbungsprozess unsere Wahrnehmung nochmals geschärft. Wenn man in diesem Prozess so involviert ist und ihn selbst erfunden hat, wirkt alles so selbstverständlich. Das Konzept aber von Grund auf nochmals zu erklären und auf den Punkt zu bringen, das war schon in der Kürze der Zeit eine Herausforderung. 

Wysocki: Ich erinnere mich aber noch gut an die Bewerbungsphase. Das Audit war wirklich nochmals eine gute Erfahrung, weil wir uns zusammengesetzt haben im Kollegium und nochmals überlegen mussten: Wie können wir all das, was wir erreicht und gemacht haben, so herunterbrechen, dass man das einer Jury präsentieren kann. Dass es vielleicht auch unterhaltsam ist. 

„Der Bewerbungsprozess hat unsere Wahrnehmung nochmals geschärft: Das Konzept von Grund auf nochmals zu erklären, das war in der Kürze eine Herausforderung.“

Eike Völker, Schulleitung Schiller-Schule Bochum

Redaktion: Sie haben sich ja schon auf einige Schulpreise beworben und einige auch gewonnen. Warum finden Sie, dass es sich lohnt, bei solchen Wettbewerben mitzumachen?

Wysocki: Es schärft den Blick für die eigenen Stärken. Man beschäftigt sich in der Vorbereitung für so einen Preis auch mit externen Gütekriterien. Das zeigt einen vielleicht auch noch einmal blinde Flecken auf, also Stellen, an denen man sieht: Aha, da gibt es noch Entwicklungspotential. Es gibt einem zudem durch die Jury auch nochmals einen sehr guten Blick von außen. Man bekommt gespiegelt, wie die Schule nach außen wirkt. Und wenn man den Bewerbungsprozess gemeinsam gestaltet, ist das auch eine echte Motivation für das ganze Team, ein Projekt, das zusammenschweißt und zeigt, dass jeder wichtig und ein bedeutendes Rädchen im System ist. 

Redaktion: Das Medienkonzept, für das Sie gewonnen haben, war von langer Hand geplant. Wie lief die Einführung genau ab?

Wysocki: Das war in der Tat kein Schnellschuss, sondern ein langwieriger Prozess, für den wir uns viel Zeit genommen haben, bei dem wir sehr viele Gespräche geführt haben mit Schülerinnen und Schülern und Eltern, Kolleginnen und Kollegen. Es galt, viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

Völker: Wir haben vier Jahre lang geplant und so das richtige Mindset von innen heraus aufgebaut. Wir haben informiert, Fortbildungen für die Kolleginnen und Kollegen gemacht und unser Konzept immer wieder umgestellt. Nach vier Jahren mussten wir dann bei den Tagen der offenen Tür im November mit der Info raus: Wir werden den Jahrgang fünf im nächsten Schuljahr digital machen. Allerdings mit der schwierigen Prämisse, dass die Endgeräte selber gekauft werden müssen. Damit reinzugehen in diese ersten Info-Veranstaltungen, das war schon eine Herausforderung. Wir haben etwa anderthalb Stunden unseren Vortrag gehalten und wurden anschließend zwei Stunden lang gegrillt. Da kamen dann all diese Fragen: Können wir das vom Datenschutz her? Können wir das pädagogisch? Können wir die Endgeräte verwalten? Aber wir konnten überzeugen. Am Ende war das Credo: „Wir glauben euch, weil ihr so gut vorbereitet seid.” 

Redaktion: Was, glauben Sie, waren die Schlüsselelemente der erfolgreichen Einführung Ihres digitalen Konzepts. Was würden Sie diesbezüglich anderen Schulen, die hier noch am Anfang stehen, empfehlen?

Völker: Sie brauchen als Institution ein digitales Mindset, wenn das nicht vorhanden ist, funktioniert das vorne und hinten nicht. Sie müssen die ganze Schulgemeinde mit einbinden. Ich sehe unsere Schule als ein mittelständiges Unternehmen, Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte zusammengenommen sind etwa 1100 Menschen. Die müssen Sie alle erreichen, denen müssen Sie erklären: Was wollen wir mit Digitalisierung erreichen? Warum tun wir das, welchen Benefit haben wir davon? Wenn ich Digitalisierung nur um der Digitalisierung willen mache, bringt es nichts. Wir haben Technik und Pädagogik immer zusammengedacht. Es war klar, wir wollen nicht einfach die Technik und wissen gar nicht warum. Wir haben uns das Vertrauen aller Parteien über einen sehr langen Zeitraum erarbeitet und gemeinsam das Medienkonzept und die Einführung von innen heraus entwickelt, die Verantwortung auf viele Schultern verteilt. Die Eltern müssen überzeugt werden, ebenso die Lehrkräfte, sie müssen schließlich täglich mit der Technik im Unterricht arbeiten. Wir haben dem Kollegium das Versprechen gegeben, dass es eine einfache Technik geben wird, die beherrschbar sein wird und dass niemand, der es nicht möchte, mit technischen Supportfragen in irgendeiner Form behelligt wird. Und wir haben den Lehrkräften versprochen, sie so fit zu machen, dass sie die Geräte bedienen können. Wir haben vielen Kolleginnen und Kollegen, die noch nie ein iPad in der Hand gehabt haben, dass von Grund auf beigebracht. So etwas gibt Sicherheit.

Redaktion: Herr Völker und Herr Wysocki, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.