
Ein Kompetenzcenter für KI und Bildung entsteht
Dr. Kai Erik Trost über Ziele, Chancen und Ideen
Dr. Kai Erik Trost ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Seit September 2025 baut er ein Kompetenzcenter zu KI und Bildung an der aim Akademie auf. Im Interview spricht er darüber, wie ihn seine berufliche Biografie zur digitalen Ethik führte und wie er Künstliche Intelligenz in der Bildung zukünftig gestalten möchte.
Du kommst aus der Forschung zur digitalen Ethik und Medienwissenschaft und bist jetzt bei der aim. Wie war dein Weg bis hierhin? Was hat deine Interessen geprägt?
„Bildungsbiographien sind häufig von Zufällen geprägt. Das war auch bei mir so. Ich bin über eine kaufmännische Ausbildung in der Informatik gelandet, dann über das Consulting in die Medienwissenschaft und die philosophischen Ethik und schließlich in die digitale Bildung. Ich bin ein neugieriger Mensch. Wahrscheinlich habe ich deshalb auch spontan mal die Richtung geändert und einen anderen Weg eingeschlagen. KI und digitale Ethik – also die Frage, wie wir verantwortungsvoll mit digitalen Technologien umgehen – fasziniert mich.“
Was reizt dich daran, das Kompetenzcenter KI und Bildung bei der aim aufzubauen und wohin soll es sich entwickeln?
„Zum einen begeistert mich die Chance, etwas völlig Neues entwickeln zu dürfen. Zum anderen freue ich mich vor allem darauf, Bildung ganz nah an der Praxis mitzugestalten und mehr Kontakt zu den Zielgruppen zu haben, für die wir Angebote bereitstellen. Empirische Forschung und Wissenschaft sind auch reizvolle Tätigkeiten, aber dort passiert Wirkung oft nur mittelbar.
Mit dem neuen Kompetenzcenter KI und Bildung wollen wir die relevanten Akteurinnen und Akteure am Bildungscampus stärker vernetzen. Der erste Schritt ist zu verstehen, was am Campus bereits passiert. Es ist ein hochdynamisches Umfeld mit vielen innovativen Themen. Bevor wir strategisch festlegen, wohin es gehen soll, ist es wichtig, erkenntnisoffen zuzuhören. Entscheidend ist, dass alle Bereiche und Partner gemeinsam mit im Boot sind. Daran anknüpfend entwickeln wir ein innovatives und zukunftsorientiertes Programm für die Bildungslandschaft, das alle wichtigen Digitalthemen und insbesondere Künstliche Intelligenz im Blick hat.“
Welche Themen möchtest du mit deinem Team in der aim zuerst angehen?
„Digitale Technologien müssen gestaltet werden, denn sie entfalten nur im Zusammenspiel mit dem Menschen eine positive Wirkung. Künstliche Intelligenz möchte ich deshalb immer als Chance denken, nicht als Problem. Wir müssen uns fragen: Wie können wir KI so einsetzen, dass sie uns dabei hilft, die Herausforderungen in der Gesellschaft und im Bildungsbereich zu bewältigen?
Dafür brauchen Menschen eine digitale Werthaltung. Neben Nutzungskompetenz brauchen sie spezifische Informationskompetenzen, die zum Beispiel darauf abzielen, Informationen in Bezug auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Kritische Reflexion, digitale Resilienz und die Fähigkeit, sich sicher in digitalen Räumen und Social Media bewegen zu können, gehören auch dazu. KI ist eine Kulturtechnik, die dem Menschen dienen soll. Diese ethische Prämisse muss jeder Technologie zugrunde liegen. Gleichzeitig sollten wir neugierig und offen bleiben. Wenn wir KI in bestehende Muster hineinpressen, wird sich wenig verändern. Sie kann jedoch eine echte Chance sein, Bildung neu zu denken.“


